Begriffserklärungen
Fachbegriffe zu Trinkwasser und Wasserqualität verständlich erklärt. Grundlage sind die Trinkwasserverordnung und UBA-Publikationen.
Härtegrad
Der Härtegrad des Wassers beschreibt den Gehalt an gelösten Calcium- und Magnesiumverbindungen. Je mehr dieser Mineralstoffe im Wasser enthalten sind, desto "härter" ist es. In Deutschland wird die Gesamthärte in deutschen Härtegraden (°dH) oder in Millimol pro Liter (mmol/l) angegeben.
Seit 2009 teilt die Trinkwasserverordnung das Wasser in drei Härtebereiche ein:
| Härtebereich | Bezeichnung | Wert in °dH |
|---|---|---|
| 1 | Weich | unter 8,4 |
| 2 | Mittel | 8,4 bis 14 |
| 3 | Hart | über 14 |
Hartes Wasser hinterlässt Kalkablagerungen in Haushaltsgeräten. Waschmaschinen, Geschirrspüler und Wasserkocher sind davon besonders betroffen. Weiches Wasser hingegen kann bei alten Kupfer- oder Bleirohren aggressiver wirken und Metalle lösen. Beides hat praktische Konsequenzen für den Haushalt.
Den Härtegrad Ihres Wassers teilt Ihnen Ihr Wasserversorger auf Anfrage mit. Viele veröffentlichen diese Information auf ihrer Website, oft im Bereich "Wasserqualität" oder "Trinkwasseranalyse".
Trinkwasserverordnung (TrinkwV)
Die Trinkwasserverordnung ist die zentrale Rechtsgrundlage für Trinkwasserqualität in Deutschland. Sie setzt die europäische Trinkwasserrichtlinie in deutsches Recht um und legt Grenzwerte für eine Vielzahl von Parametern fest.
Geregelt werden unter anderem: mikrobiologische Parameter (z.B. Escherichia coli, Enterokokken), chemische Parameter (z.B. Nitrat, Blei, Arsen, Pestizide), Indikatorparameter (z.B. Trübung, Geruch, Leitfähigkeit) sowie radioaktive Stoffe.
Die Verordnung wurde zuletzt 2023 grundlegend überarbeitet, um die neue EU-Trinkwasserrichtlinie umzusetzen. Neu aufgenommen wurden unter anderem Grenzwerte für Bisphenol A, Chlorat und bestimmte per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS).
Grenzwert
Ein Grenzwert in der Trinkwasserverordnung ist ein behördlich festgelegter Höchstwert für eine bestimmte Substanz im Trinkwasser. Wird er überschritten, muss der Wasserversorger oder das Gesundheitsamt tätig werden.
Grenzwerte basieren auf wissenschaftlichen Bewertungen. Sie berücksichtigen toxikologische Daten, Expositionsabschätzungen und Sicherheitsfaktoren. Ein Grenzwert ist kein "harmloser Wert" im Sinne von "darunter ist alles unbedenklich", sondern ein regulatorisches Instrument mit einem definierten Schutzstandard.
Neben Grenzwerten gibt es in der TrinkwV auch "technische Maßnahmenwerte" (z.B. für Legionellen in Großanlagen) und "Parameterwerte" für Indikatorparameter ohne direkte Gesundheitsrelevanz.
Nitrat
Nitrat gelangt hauptsächlich durch landwirtschaftliche Düngung ins Grundwasser. Der Grenzwert in der Trinkwasserverordnung beträgt 50 mg/l, was dem EU-Grenzwert entspricht. In manchen Regionen mit intensiver Landwirtschaft werden diese Werte im Rohwasser überschritten, weshalb eine Aufbereitung erforderlich ist.
Im Körper kann Nitrat zu Nitrit umgewandelt werden, das in hohen Konzentrationen gesundheitliche Risiken birgt, besonders für Säuglinge. Für Säuglingsnahrung empfiehlt das UBA, bei erhöhten Nitratwerten auf Mineralwasser zurückzugreifen oder die Angaben des Wasserversorgers zu beachten.
Das Bundesumweltministerium und das UBA veröffentlichen regelmäßige Berichte zur Nitratbelastung im deutschen Grundwasser. Die Situation hat sich in einigen Regionen durch strengere Düngeverordnungen verbessert, in anderen bleibt sie problematisch.
Wasserfilter
Wasserfilter für den Haushaltsbereich gibt es in verschiedenen Ausführungen: Aktivkohlefilter, Umkehrosmosefilter, Ionentauscher und UV-Desinfektionsanlagen. Jeder Typ wirkt auf andere Weise und entfernt unterschiedliche Stoffe.
Wichtig zu verstehen: Wenn das Leitungswasser die Grenzwerte der TrinkwV einhält, ist es nach aktuellem wissenschaftlichem Stand unbedenklich trinkbar. Ein Filter verbessert dann nicht die Sicherheit, sondern allenfalls den Geschmack oder bestimmte chemische Eigenschaften.
Sinnvoller Filtereinsatz kann in folgenden Situationen vorliegen: nachgewiesene Bleibelastung durch alte Hausleitungen, stark erhöhter Chlorgehalt aus der Aufbereitung, oder individuell empfindliche Personen nach ärztlicher Beratung. In diesen Fällen sollte der Filter zum konkreten Problem passen, nicht pauschal eingesetzt werden.
Jeder Haushaltsfilter benötigt regelmäßige Wartung und Filterwechsel. Ein vernachlässigter Filter kann Keime anreichern und die Wasserqualität verschlechtern statt verbessern. Das ist ein oft unterschätzter Aspekt.
Elektrische Leitfähigkeit
Die elektrische Leitfähigkeit gibt an, wie gut Wasser elektrischen Strom leitet. Sie ist ein Maß für den Gesamtgehalt gelöster Ionen und wird in Mikrosiemens pro Zentimeter (µS/cm) angegeben. Destilliertes Wasser hat eine sehr geringe Leitfähigkeit, mineralreiches Wasser eine höhere.
In der Trinkwasserverordnung ist die Leitfähigkeit ein Indikatorparameter ohne direkten Gesundheitsbezug. Ihr Wert gibt Hinweise auf den Mineralisierungsgrad des Wassers. Sehr hohe Werte können auf industrielle Einträge hinweisen, sehr niedrige auf weiches, möglicherweise aggressiveres Wasser.
pH-Wert
Der pH-Wert beschreibt den Säure-Base-Gehalt des Wassers auf einer Skala von 0 bis 14. Reines Wasser hat einen pH-Wert von 7 (neutral). Werte unter 7 bedeuten sauer, über 7 basisch. Die Trinkwasserverordnung schreibt einen pH-Bereich von 6,5 bis 9,5 vor.
Ein zu niedriger pH-Wert kann Rohrmaterialien korrosiv belasten und zur Lösung von Schwermetallen führen. Ein zu hoher Wert kann zu Kalkausfällungen führen. Wasserversorger regulieren den pH-Wert im Aufbereitungsprozess aktiv.
Wasserverbrauch messen und einordnen
Den eigenen Wasserverbrauch kennt man in der Regel aus der jährlichen Wasserrechnung. Der Verbrauch wird in Kubikmeter (m³) angegeben, wobei 1 m³ = 1.000 Liter entspricht. Die Abrechnung erfolgt meist über einen Wasserzähler, der regelmäßig abgelesen wird.
Zum Vergleich: Laut Statistischem Bundesamt liegt der durchschnittliche Wasserverbrauch in deutschen Haushalten bei rund 120 Litern pro Person und Tag. Dieser Wert schließt Trinken, Kochen, Hygiene, Wäsche und Geschirrspülen ein. Nicht enthalten ist der sogenannte "virtuelle Wasserverbrauch" durch Nahrungsmittel und Konsumgüter.
Wer seinen Verbrauch senken möchte, findet die größten Einsparpotenziale beim Duschen (größter Einzelposten), beim Toilettenspülen und beim Wäschewaschen. Moderne Geräte verbrauchen deutlich weniger Wasser als ältere Modelle. Auch das Bewässern von Gärten mit Regenwasser statt Leitungswasser kann den Verbrauch merklich senken.
PFAS (Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen)
PFAS ist ein Sammelbegriff für eine große Gruppe synthetischer Chemikalien, die in vielen Industrie- und Konsumgüterprodukten verwendet werden. Sie sind extrem persistent in der Umwelt ("forever chemicals") und reichern sich im Boden und Grundwasser an.
Seit der Novellierung der Trinkwasserverordnung 2023 gibt es erstmals konkrete Grenzwerte für PFAS im deutschen Trinkwasser. Das UBA beobachtet die Situation und veröffentlicht Einschätzungen zur Verbreitung und gesundheitlichen Relevanz dieser Substanzen.
In Regionen mit bekannter PFAS-Belastung (z.B. durch frühere Feuerlöschübungsplätze oder industrielle Einleitungen) informieren die Gesundheitsämter aktiv über die Situation und gegebenenfalls über Maßnahmen.